Aus der Geschichte der Stadt Oschersleben (Bode)

Oschersleben wurde angeblich 814 in den Stiftungsbriefen des Kaisers Ludwig des Frommen unter dem Namen Oscheresleve im Harzgau erwähnt, jedoch sind derzeitig keine Originaldokumente darüber vorhanden. Die Urkunde Ludwigs des Frommen vom 2. September 814, in der auf eine Gründung durch Karl den Großen verwiesen wird, ist eine Fälschung aus dem 12. Jahrhundert.

Am 23. November 994 wurde Oschersleben dann erstmals nachweislich in einer Urkunde von König Otto III., in der er Quedlinburg das Marktrecht verlieh, als Nordgrenze seines Bereiches erwähnt: „palus quae ex Oscheresleuo tenditur usque Hornaburch (der Sumpf, welcher von Oschersleben bis Hornburg sich ausdehnt)“. Zu diesem Anlass wurde 1994 die 1000-Jahr-Feier begangen.

Am 27. Oktober 1010 war Oskeresleuo Ausstellungsort einer wichtigen Königsurkunde, in welcher Heinrich II. die bischöfliche Kirche von Brandenburg in seinen Schutz nahm und dem Bischof Wigo (1004–1017/19) und seinen Nachfolgern die freie der Wahl der Vögte sowie das freie Verfügungsrecht über die Zehnten aus dem Havelland und allen Provinzen des Bistums zusicherte.

Am 17. Januar 1052 kam die Grafschaft des Grafen Bernhard im Harzgau, Derlingau, Nordthüringgau und Balsamgau – und damit auch Oschersleben – durch eine Schenkung des Saliers Heinrich III. (HRR) an das expansive Bistum Halberstadt.

Der damals erst vierzehnjährige Salier Heinrich IV. „schenkte“ am 6. September 1065 in Osckerslevo unter der
Vormundschaft seines alleinigen Regenten Bischof Adalbert von Bremen die wichtige Reichsabtei Corvey dem Erzbistum Bremen.

Im 12. Jahrhundert befand sich Oschersleben im Besitz des Pfalzgrafen von Sommerschenburg. Später im Jahr 1207 wurde Oschersleben dann dem Bistum Halberstadt zugeordnet und anschließend mehrmals an das Bistum Magdeburg versetzt. Im Jahre 1339 ging die Stadt dann in den Pfandbesitz der Grafen von Reinstein über. Im Jahre 1399 wechselte der Besitz wieder in die beiden Adelsgeschlechter von Veltheim und von Wenden. Ein weiterer Wechsel der Besitzverhältnisse vollzog sich im Jahre 1484, dort wurde die Stadt den von Hoym und den Asseburgern zugeordnet. Erst im Jahre 1545 fiel Oschersleben wieder an das Bistum Halberstadt zurück.[5]

Eine Urkunde, wann Oschersleben das Stadt- oder Marktrecht erhielt, ist nicht vorhanden. Allerdings wurden die Einwohner 1235 schon als „Burgenses“ (Bürger) bezeichnet. Die Befestigungsanlagen fanden ab dem 15. Jahrhundert Erwähnung.

Kirchlich gehörte die Stadt stets zum Bistum Halberstadt, war Sitz eines Archidiakonats und führte 1540 die Reformation durch.

Die ursprüngliche Dorfsiedlung lag dicht am Bruch westlich und südwestlich der späteren befestigten Stadt und wird in Urkunden das „alte Dorf“ oder antiqua villa genannt. Der Begriff Altes Dorf blieb für die westliche Vorstadt später erhalten und findet als Straßenname bis in unsere Zeit Verwendung. In dieser alten Dorfsiedlung lag die Stephanskirche, angeblich 806 von Bischof Hildegrim gegründet.

Südöstlich des Alten Dorfes, ganz nah dem Bruch im Süden vorgeschoben, lag die alte Burg Oschersleben, deren Entstehung wohl Anfang des 12. Jahrhunderts anzusetzen ist. Sie war mit Mauern und Graben befestigt und hatte ihren Eingang ursprünglich vom Damme her. Die Burg wurde 1545 neu erbaut und nach Norden gegen die Stadt zu erweitert. Seit dem Übergang an Brandenburg (1648) war sie kurfürstliche, ab 1701 königliche Domäne, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Privathand überging.

Nordöstlich dieser älteren Siedlungsteile wurde dann im 12. Jahrhundert die Stadt angelegt. Sie hatte eine Ausdehnung von etwa 450 × 450 m. Die Westseite war gerade, die anderen hufeisenförmig gebogen. Das Straßennetz war vor allem nach Osten völlig regelmäßig. Den Mittelpunkt bildet bis heute der rechteckige Markt, der im Norden durch das Rathaus und im Süden durch die Nikolaikirche begrenzt wird.

Über die Anlage der Stadtbefestigungen gibt es keine verbürgten Nachrichten. Bereits vor 1235 muss die Stadt befestigt worden sein – später mit Mauer, doppelten Wällen und Graben. Der Verlauf der Stadtmauer ist heute noch deutlich feststellbar. Ursprünglich bestanden an den Stadteingängen das Magdeburger Tor im Osten, das Hornhäuser- oder Oldendorpsche Tor im Westen, das Halberstädter Tor im Süden und das Neue Tor im Norden. Die Befestigung an den Toren wurde seit 1700 eingeebnet, gleichwie der Stadtgraben, der in Gärten umgewandelt wurde. Erweiterungen erfuhr die Stadt erst ab dem 19. Jahrhundert vor allem nach Norden und Westen.

Im 17. Jahrhundert fielen Teile Oscherslebens Bränden zum Opfer. Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 gelangte die Stadt an Brandenburg-Preußen. Nach der territorialen Neuordnung des Wiener Kongresses wurde sie am 1. Juli 1816 zur Kreisstadt. Bis zum Jahr 1859 war Sitz der Kreisverwaltung in Schwanebeck.

Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts setzte durch die sich rasch entwickelnde Rübenzuckerindustrie der große Zustrom von Binnenwanderern nach Oschersleben ein, bis dahin waren Ackerbau und Viehzucht die Haupterwerbszweige der Stadtbevölkerung gewesen. 1840 wurde die erste Zuckerfabrik eröffnet. Als weiterer städtischer Wirtschaftsfaktor entstand 1846 die Maschinenfabrik und Eisengießerei C. Bartels Söhne, hinzu kamen später einige Ziegelbrennereien, 1861 eine Wurst- und Fleischwaren-, 1869 eine Malzfabrik. Um 1890 wurde das Amtsgericht Oschersleben erbaut.

Oschersleben war Kreisstadt des Landkreises Oschersleben (Bode), ab 1952 Kreis Oschersleben, von 1990 bis 1994 Landkreis Oschersleben, von 1994 bis 2007 des Bördekreises, seit 1. Juli 2007 Teil des Landkreises Börde.

Den ersten Abschnitt ihrer Bahnstrecke Magdeburg–Thale eröffnete die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft am 15. Juli 1843 von Magdeburg über Oschersleben bis Halberstadt. Zeitgleich baute die Herzoglich Braunschweigische Staatseisenbahn die Hauptbahn Oschersleben–Wolfenbüttel. Zusammen mit anderen Strecken entstand über Oschersleben die erste durchgängig befahrbare Eisenbahnverbindung zwischen Berlin und dem Ruhrgebiet. Durch die 1868 fertiggestellte Strecke Jerxheim–Börßum verkürzte sich die Verbindung zum kleinen Bahnknoten Kreiensen. Die Eisenbahn erforderte viele Arbeitskräfte für Bau und Betrieb und brachte weiteren wirtschaftlichen Aufschwung.
Im Ersten Weltkrieg hatte sich in Oschersleben ein Werk der Aktiengesellschaft Gustav Otto aus München angesiedelt, das Teile für Flugzeughersteller fertigte, den Betrieb aber nach Ende des Krieges einstellen musste. In den 1920er Jahren hatte dort die Sudenburger Maschinenfabrik und Eisengießerei AG einen Zweigbetrieb, der 1930 in die Insolvenz ging.

Nach der Machtergreifung der NSDAP entstand im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht unter derTarnbezeichnung Apparatebau GmbH Oschersleben (später AGO Flugzeugwerke) auf dem Areal ein Werk zum Lizenzbau von Flugzeugen für die Luftwaffe.

Die ersten dort Maschinen waren noch Doppeldecker: 36 Arado Ar 65, 197 Schulflugzeuge Arado Ar 66 und 77 Heinkel He 51. Es folgten 140 Sturzkampfflugzeuge Henschel Hs 123, mit dem auch die Ganzmetallbauweise bei AGO Einzug hielt, sowie 241 Übungsflugzeuge Gotha Go 145 und 223 Arado Ar 96. Die Fertigung der Aufklärer Henschel Hs 126 endete im Mai 1941 mit der Auslieferung der letzten von insgesamt 380 gebauten Maschinen. Zwischen März 1937 und demselben Monat des Folgejahres verließen auch 121 Schulflugzeuge Focke-Wulf Fw 44 die AGO-Werkshallen. Anfang 1938 kamen die ersten modernen Jagdflugzeuge des Typs Messerschmitt Bf 109 in die Fertigung, zunächst noch in der Ausführung Bf 109 D (128 Stück), dann E (80 Maschinen) und F (380 Stück), bis schließlich ab Oktober 1941 die Focke-Wulf Fw 190 in ihren fortlaufend verbesserten Ausführungen den Hauptteil der Produktion bildete. 3.454 Fw 190 verließen bis Ende Januar 1945 das Werk.

Während des Zweiten Weltkriegs mussten bei AGO in Oschersleben mehrere hundert Kriegsgefangene und verschleppte Personen aus den von der Wehrmacht besetzten Ländern Zwangsarbeit verrichten. Dabei verloren mindestens 71 Menschen ihr Leben.

Wegen des bedeutenden Flugzeugwerkes wurde die Stadt im Luftkrieg des Zweiten Weltkriegs ab Juli 1943 insgesamt zehn Mal zum Ziel alliierter Luftangriffe. Dabei wurden 148 Menschen getötet, 300 verletzt und Tausende obdachlos.

Bei Kriegsende Anfang Mai 1945 wies das Werk schwere Schäden auf. Bis 1947 wurden die Überreste der Fabrikhallen von sowjetischen Soldaten gesprengt und die Firma im Handelsregister gelöscht. Auf dem ehemaligen AGO-Gelände befindet sich heute die Motorsport Arena Oschersleben.

4. Jh. n.Chr                 
Warnen gründen am Großen Bruch eine Siedlung

22.11. 994
Erste urkundliche Erwähnung Oscherslebens in einer Urkunde Kaiser Ottos III.

1. Hälfte 12. Jh.           
Bau der Kirche „St. Nicolai“. Die heute vorhandenen Türme stammen aus dem 15. Jahrhundert, das Kirchenschiff wurde 1880/1881 errichtet.

1396
Erste urkundliche Erwähnung eines Versammlungshauses für den Rat („consistorio sive theatro“)

Mitte des 16. Jh.         
Reformation in Oschersleben

1648                           
Oschersleben wird im Westfälischen Frieden mit dem gesamten Bistum Halberstadt dem Kurfürstentum Brandenburg einverleibt

17.Jh.                         
Stadtbrände verwüsten Oschersleben mehrfach. Der größte Brand vernichtet 1659 nahezu die gesamte Stadt.

1806/07                      
Errichtung des Königreichs Westfalen. Oschersleben wird Kantonstadt im Distrikt Helmstedt des Okerdepartements.

1840                          
Bau der ersten Zuckerfabrik, Beginn der Industrialisierung in Oschersleben

1842/43                      
Bau der Magdeburg-Halberstädter Eisenbahn und Anschluss an die Herzöglich-Braunschweigische Eisenbahn

1842                          
Ausbau der Braunkohleförderung am Jakobsberg (Bülowschacht)

1847                          
Gründung der Stadtsparkasse Oschersleben, ab 1888 Kreissparkasse

1912                          
Bau des Wasserwerkes und eines Trinkwassernetzes

1943/44                      
Alliierte Luftangriffe auf die AGO-Flugzeugwerke GmbH, starke Zerstörungen in der Innenstadt

11.04.1945                 
Kriegsende in Oschersleben

1968/69                      
Bau des Freibades an der Breitscheidstraße

1975 – 1987                
Umfangreicher Wohnungsbau an der „Wasserrenne“ und in der Innenstadt

1978                          
Bau der Volksschwimmhalle

1990                          
Städtepartnerschaft zwischen Schöningen (Niedersachsen) und Oschersleben (Bode)

April 1993                   
Bildung der Verwaltungsgemeinschaft Oschersleben (Bode) mit den Orten Oschersleben, Hornhausen, Hordorf, Beckendorf-Neindorf und Altbrandsleben

1999-2010                   
Eingemeindung der neuen Ortsteile Hordorf, Beckendorf-Neindorf, Alikendorf, Groß Germersleben, Kleinalsleben, Klein Oschersleben, Ampfurth, Altbrandsleben, Hornhausen, Schermcke, Peseckendorf und der Stadt Hadmersleben